Berufsziele – so beeinflusst dich dein Umfeld

Berufsziele – so beeinflusst dich dein Umfeld

Hannah. Sie ist ein liebes, freundliches Mädchen. Sie ist eine gute und fleißige Schülerin und bekommt viel Lob für ihre Noten. Heute hat Hannah Geburtstag, sie wird 10 Jahre alt. Sie freut sich. Geschenke und der Besuch von Oma und Opa sind immer was ganz besonderes.

Die Familie sitzt gemütlich zusammen, der Kuchen wird angeschnitten und alle singen für Hannah ein Ständchen. Es herrscht ausgelassene Stimmung – schließlich ist Hannah ja jetzt schon richtig groß! Die Gesprächsthemen wandern von Opas neuem Auto, ein Mercedes, über den geplanten Familienurlaub in Italien, zu Hannahs Leistungen in der Schule.

Berufsziele – Die richtige Antwort

Stolz erzählt Hannahs Mutter den Großeltern, dass Hannah gerade erst eine 1 in Mathe hatte. Die Großeltern sind beeindruckt und loben sie. Dann fragt die Oma „Mensch Kind, bei so guten Noten, da weißt du doch bestimmt schon, was du einmal werden willst?“. Hannah überlegt kurz und antwortet schließlich: „Das ist doch klar Oma, ich werd mal Anwalt, wie der Opa.“ Die Oma klatscht bei der Antwort zufrieden in die Hände, Mama nickt anerkennend und sogar der Opa lächelt. „Toll Hannah, das ist eine gute Entscheidung. Wir sind sehr stolz auf dich!“

Hannah hat alles richtig gemacht. Sie hat die richtige Antwort gegeben – die Antwort, die man von ihr hören wollte. Eine Geschichte, wie man sie in Familien wohl häufiger erlebt…

Berufsziele – Die falsche Antwort

Doch, wie hätte die Reaktion der Eltern und Großeltern wohl ausgesehen, wenn Hannah gesagt hätte, sie möchte Malerin, Bäckerin oder Zirkusartistin werden? Ich denke die Antwort ist klar. Die Oma hätte Hannah wohl fragend angesehen, die Mama geseufzt und der Opa hätte den Kopf geschüttelt. Gleiche Frage, zwei unterschiedliche Antworten, zwei unterschiedliche Reaktionen.

Vielleicht hätte Hannahs Mutter die Berufsziele ihrer Tochter sogar verteidigt und erklärt, dass Hannah eben sehr gern malt und turnt.

Reaktion und Konsequenzen

Doch Hannah merkt es genau: Sie hat ihre Großeltern und Eltern enttäuscht. Die Reaktion war eindeutig: Die Antwort Anwalt ist richtig, Zirkusartist ist falsch. Das nächste Mal wird Hannah es richtig machen. Sie wird die richtige Antwort geben.

Es entschieden, Hannah will Anwältin werden und wird alles daran setzen dieses Ziel zu erreichen. Aber ist Anwältin deshalb wirklich ihr Traumberuf? Hat Hannah diese Entscheidung eigenständig getroffen? Die Antwort hierauf ist nicht eindeutig, denn ihr Umfeld hatte auf die Wahl ihres Berufsziels einen großen Einfluss.

Das Umfeld beeinflusst die Wahl der Berufsziele

Das Mädchen in der Geschichte wird stark von den Erwartungen der Familie gelenkt, ja regelrecht gesteuert, obwohl sie mit ihren 10 Jahren den Beruf sicher nicht einschätzen kann. Warum also lassen sich viele von ihrem Umfeld bei der Wahl der Berufsziele beeinflussen? Und warum halten wir daran auch später fest? Auch wenn wir merken, dass es uns nicht gut tut.

Ich konnte dafür zwei entscheidende Gründe herausarbeiten:

  1. Operante Konditionierung
  2. Gesellschaftliche Akzeptanz

Operante Konditionierung

Operante Konditionierung ist ein Prinzip, das der behaviouristischen Lernpsychologie zugeordnet wird. Es besagt, dass die Konsequenzen, die auf ein Verhalten folgen, über das zukünftige auftreten dieses Verhaltens entscheiden. (Das hört sich jetzt komplizierter an, als es in Wahrheit ist :))

Wenn wir uns nochmal die Situation in Hannahs Geschichte anschauen, stellen wir fest, dass die Reaktion der Familie für Hannahs Berufswunsch entscheidend ist. Wählt Hannah den Beruf Anwalt, wird sie mit Anerkennung belohnt. Antwortet sie mit Malerin oder Akrobat, wird sie mit Ablehnung gestraft. Ihr Verhalten, also ihre Antwort, wird in Abhängigkeit von dem was sie sagt, positiv oder negativ verstärkt. In einfachen Worten: Lob und Tadel haben einen direkten Einfluss auf Hannahs zukünftiges Verhalten und ihre Entscheidungen.

Wenn wir also bei der Äußerung eines Berufszieles Zuspruch erhalten, stärkt dies unterbewusst den eigenen Wunsch, sich danach zu richten. Wenn uns jemand aber für unseren Berufswunsch tadelt, zweifeln wir selbst auch mehr daran.

Bei der Erziehung junger Menschen wird diese Methode gerne verwendet und Eltern wenden sie ganz natürlich bei ihren Kindern an, um ein gewünschtes Verhalten zu fördern oder zu verhindern.

Problematisch ist es jedoch, wenn die Effekte der operanten Konditionierung wissentlich oder unwissentlich dazu genutzt werden, einen Menschen in eine für ihn falsche Richtung zu führen.

Gesellschaftliche Akzeptanz

In unserem Alltag legen wir viel Wert auf die Meinung anderer. Das neue Kleid soll der Freundin auch gefallen, im Fitnessstudio müssen wir eine gute Figur machen und auf Social Media brauchen wir möglichst viele Likes, um uns bestätigt zu fühlen.

Es ist uns einfach wichtig, den Menschen um uns herum zu gefallen und Zuspruch und Anerkennung zu erhalten. Die Erwartungen zu erfüllen erzeugt allerdings auch Druck – den Druck etwas zu schaffen und sich gut zu positionieren.

Auf ein vernünftiges Studium mit guten Zukunftsaussichten oder eine Ausbildung bei einem renommierten Unternehmen soll eine gut bezahlte, prestigeträchtige Arbeitsstelle folgen. Wenn aber jemand aus dem System ausbricht und seinen „vermeintlich“ vorherbestimmten Weg verlässt, erzeugt das bei vielen Menschen Unverständnis und vielleicht sogar Enttäuschung. Denn sie wollen und können es kaum verstehen, warum sich jemand von dem Berufsziel abwendet, auf das er Jahre hingearbeitet hat.

Bedenke also:

  1. Wenn dir jemand sagt, was gut für dich ist, hast du das Recht es anders zu sehen
  2. Schubladen öffnen sich nur sehr sehr langsam. Aber sie öffnen sich!

Alles Liebe

Maria

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