Alternative zum Beruf in drei Schritten finden

Alternative zum Beruf in drei Schritten finden

Wie ich bereits in einem früheren Artikel erzählt habe, bin ich während meiner Ausstiegsphase, während der ich einer Alternative zum Beruf (in meinem Fall Lehrerin) gesucht habe, viel in verschiedenen Foren unterwegs gewesen. Eine Frage, die mir dabei immer wieder aufgefallen ist, ist die Frage nach den Berufsalternativen im Lehramt.

Im Endeffekt haben diese Einträge immer ein ähnliches Muster:

„Ich unterrichte/studiere die Fächer Deutsch/Geschichte/Mathe/Spanisch/IT usw… und möchte nach dem Studium/ nach dem Referendariat/ nach 8 Jahren im Beruf nicht (mehr) als Lehrer/in arbeiten. Was sind meine Alternativen?“

Welche Alternative zum Beruf habe ich?

Immer wieder musste ich dabei aber feststellen, dass nicht nur die Frage, sondern auch die Antworten ein ähnliches Muster hatten. Meist wird lange und breit überlegt, was man mit den einzelnen Fächern wohl noch so machen könnte.

„Geschichte, da könnte man doch in einem Museum Führungen anbieten oder an der Uni bleiben. Mit Spanisch ist eines klar, da gibt man am besten Sprachkurse an einer VHS und mit Deutsch kann man doch als Lektor arbeiten. Und was natürlich immer geht ist die pädagogische Laufbahn… als Lernbegleiter, Erzieher oder ähnliches.“

Abhängig vom Schultyp wird das Ganze nochmal eingeschränkt. Die Chancen eines Berufsschullehrers seien in der Wirtschaft deutlich besser, als die Chancen eines Realschullehrers.

(Achtung: Ich schreibe das absichtlich alles sehr plakativ. Es ist natürlich nicht klar, dass jeder Lehrer sofort und ohne Zusatzqualifizierung als Erzieher arbeiten kann… es ist einfach eine Alternative, von der ich selbst gelesen habe)

Als Antwort auf die Frage nach einer Alternative zum Beruf, sind diese Berufstipps natürlich absolut legitim. Es ist sehr vernünftig, wenn du dir als erstes fachliche Argumente und Stärken vor Augen führst. Wenn du (doch) nicht so gut mit Kindern oder dem System Schule kannst und willst, dann konzentrierst du dich auf das Fachliche. Wenn du das Fachliche doch nicht so interessant findest, auf das Pädagogische. Logisch! Das ist nachvollziehbar und auch gut bei Familie und Freunden zu argumentieren.

Wenn du zum Thema „Berufswechsel argumentieren“ mehr wissen willst dann schau mal hier: https://myselfsense.de/negative-reaktionen-auf-den-berufswechsel/

Sich bei der Suche nach einer Alternative zum Beruf aber nur die Fächer bzw. die Qualifikation anzusehen, die du schon hast, ist jedoch meiner Meinung nach zu kurz gedacht. Was mich echt stört ist, dass sowohl der Fragende als auch der Antwortende folgendes vergisst:

Wir sind mehr als Fächerkombinationen und Schultypen!

Ein Beispiel: Nur weil du das Fach Deutsch studiert hast, heißt das nicht zwangsläufig auch, dass gerne korrigierst. Leider ist genau das im Lehrberuf eine deiner Hauptbeschäftigungen. Tja, und was war nochmal die vorgeschlagene berufliche Alternative für dich: Ja genau, Lektor werden! Herzlichen Glückwunsch… und viel Spaß beim korrigieren…

Neben den Fächern und dem Schultyp gibt es also noch etwas ganz Wesentliches bei der Suche nach einer Alternative zum Beruf und Lehramt. Ich nenne es jetzt einfach mal lapidar DEIN ICH!“

Die Bedürfnisse, die dieses „ICH“ hat, gehen über eine Alternative zum Beruf hinaus. Also frage dich nicht so sehr nach einer Alternative, sondern nach dem, was dich glücklich macht.

Wenn du also nicht nur nach einer Alternative suchst, sondern auch nach einem Job, der dich glücklich macht, solltest du unbedingt diese drei Punkte beachten:

  1. Finde heraus, was dich an deinem Beruf genau stört!
  2. Mach eine ehrliche Stärken- und Schwächenanalyse
  3. Überlege, wie weit du bereit bist zu gehen

Damit du weißt, was ich mit den einzelnen Punkten meine, möchte ich sie dir nachfolgend genauer erklären.

Finde heraus, was dich an deinem Beruf genau stört!

Dieser Punkt ist der Erste, den du bedenken solltest. Vermutlich wird er dir auch am Leichtesten fallen, denn das, was uns nicht gefällt, erkennen wir meist recht schnell 🙂 Also setz dich hin und mach eine Liste. (Wenn du nicht so der Listen-Typ bist, dann kannst du natürlich auch eine MindMap oder so erstellen. Wichtig ist nur, dass du deine Gedanken aufschreibst und visuell festhältst)

Was könnte auf deiner Liste stehen? Sind es die Schüler, die dich am Beruf stören? die Eltern? die Korrekturen? die fehlenden Wochenenden? das System? der Lärm? Ist es das Überwachungsgefühl? Sind es die Beurteilungen? die Jobaussichten? Ich denke du weißt, worauf ich hinaus will.

Wichtig bei der Erstellung deiner Liste ist, dass du genau bist! Beispielsweise könnte dir die Arbeit mit jüngeren Schülern Spaß machen, während dir die Arbeit mit älteren Schülern weniger gefällt.

Neben die Liste mit den Dingen, die dich stören, machst du anschließend noch eine weitere Liste. Hier beantwortest du folgende Frage: „Was gefällt dir an deinem Beruf?“ Im Normalfall hast du jetzt auf jeder Liste etwas anderes stehen.

Und nun kommt der Clou: Suche dir auf jeder Liste deine Top 3 heraus. Also die Punkte, die du an deinem Job liebst und die Punkte, die dich so sehr stören, dass du sie auf keinen Fall länger ertragen kannst.

Keine Sorge, wenn du nur einen oder zwei Punkte findest, dann ist das auch völlig OK.

Arbeite gegen die Negativspirale

Der Grund für dieses Vorgehen ist folgender: Jeder der in der Situation ist, sich nach einem anderen Job umzusehen, landet irgendwann in einer Negativspirale. Man denkt zu viel. Man jammert zu viel. Es potenziert sich alles, alles ist schlecht und man findet nichts Positives mehr. Mit der Übung musst du genau das in Angriff nehmen. Du musst die Gründe für deine Unzufriedenheit, deine Probleme zu Papier bringen und in Worte fassen. Das ist der erste Schritt.

Vielleicht stellst du ja sogar fest, dass deine „Gefällt-mir-Liste“ viel länger ist als die „Stört-mich-Liste“. In diesem Fall könntest du den Aspekten, die dich stören, auf den Grund gehen und sie verändern. Beispiel: Dir gefällt alles an deinem Beruf, nur das System nicht? Eine Möglichkeit wäre es dann, sich nach anderen Arbeitsstellen umzusehen. Als Lehrer kannst du beispielsweise auch an einer reformpädagogischen Schule arbeiten.

So, kommen wir zum zweiten Punkt:

Mach eine ehrliche Stärken- und Schwächenanalyse

Nun wird es etwas kniffeliger. Denn in unserer erfolgsorientierten Welt sind gerade Schwächen etwas, das man nicht gerne zugeben möchte. Sie sind aber ganz normal. Jeder Mensch hat irgendeine Schwäche, auch der vermeintlich perfekteste.

Aus diesem Grund sehe ich die Schwäche hier auch nicht als wirkliche Schwäche. Sie ist einfach nur ein Aspekt deiner vielschichtigen Persönlichkeit, der dafür verantwortlich ist, dass dir etwas nicht so leicht von der Hand geht. Eine solche Schwäche kannst du zwar trainieren und mit viel Fleiß auch etwas ausgleichen, dennoch bleibt eine Unsicherheit. Weil du irgendwie nicht der Typ dafür bist.

Beispiel Unterrichtsdisziplin: Es gibt ja so Lehrerpersönlichkeiten, die eine Klasse im Nu zur Ordnung rufen können. Es gibt aber auch Lehrer, die das nicht schaffen. Wenn so ein Lehrer es doch irgendwie schafft, Ruhe herzustellen, dann braucht es deutlich mehr Anstrengung und Taktik.

Wie ist deine Persönlichkeit?

Reflektiere also etwas über deine Persönlichkeit. Wie war es früher in der Schule? Was bist du für ein Typ? Du wirst etwas über dich herausfinden, da bin ich mir sicher.

Genau wie im ersten Punkt machst du wieder eine Liste: Eine mit deinen „Schwächen“ und eine mit deinen Stärken. Und auch bei den Stärken schaust du dir deinen Charakter und deine Persönlichkeit genau an. Vielleicht bist du sehr ordentlich und organisiert, oder eher kreativ-verplant, vielleicht bist du sehr emphatisch und ein guter Zuhörer. Oder du bist handwerklich begabt.

Was sind deine Hobbys und Interessen?

Auch was du gerne in deiner Freizeit tust solltest du berücksichtigen. Was interessiert dich? Welche Hobbys hast du? Frag dich, warum du gerne tust, was du tust. Dann schreibs auf deine Stärken-Liste.

Wenn du fertig bist – (und lass dir bitte dabei Zeit, Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut) – dann hast du die grundehrliche und schonungslose Wahrheit über dich selbst in Händen.

So was machst du jetzt damit? Du schaust dir die Liste an und frägst dich folgendes: „In welchem Beruf kann ich meine Stärken zum Besten einsetzen?“

Das ist das Geheimnis!

Das heißt, du suchst dir deine Jobalternative nach deinen Stärken aus. Versuche bitte nicht dich für einen Job zu verbiegen – wie du es wahrscheinlich jetzt tust.

Nun zum letzten Punkt, den ich dir auf deinem Weg mitgeben möchte.

Überlege, wie weit du bereit bist zu gehen

Besonders wenn du ein langjähriges Studium, Referendariat und Berufspraxis hinter dir hast, ist das eine ernste Frage, die du dir selbst stellen musst. Bist du Alleinverdiener, der eine Familie zu versorgen hat, ist „mal was Neues machen“ und eine Alternative zum Beruf suchen alles andere als einfach. Und wenn du dafür deine sichere Beamtenstelle aufgeben müsstest, dann steht ebenso einiges auf dem Spiel.

In einem ihrer tollen Artikel widmet sich Isabell Probst aus eigener Erfahrung dem Thema „Kündigung als verbeamteter Lehrer“. Schau mal rein, wenn dich das interessiert. https://isabellprobst.de/2015/04/14/kundigung-beamter-lehrer/

So, wie weit bist du also bereit zu gehen?

Und wahrscheinlich ist deine Antwort darauf: „Mir wäre es schon recht, wenn ich sofort was Neues hätte.“ Ein fliegender Wechsel also, am besten ohne Zusatzqualifizierung.

Ja, das geht. THEORETISCH! Mit viel Glück und vielleicht ein bisschen Vitamin B. PRAKTISCH ist es allerdings sehr unwahrscheinlich. Besonders schwierig wird es, wenn du dich wirklich in einem ganz anderen Bereich siehst und der Schule und auch den schulähnlichen Bereichen den Rücken kehren willst.

Wenn bei dir als Ergebnis der Schritte zuvor ein radikaler Berufswechsel immer wahrscheinlicher wird und du vielleicht auch schon eine konkreten Alternative zum Beruf für dich ins Auge gefasst hast, dann bist du jetzt soweit dir anzuschauen, welche Schritte du gehen musst, um dorthin zu kommen.

Vielleicht kannst du das Ziel durch einen Abendkurs erreichen, vielleicht durch eine Ausbildung. Auch ein (berufsbegleitendes) Studium ist möglich. Mein Tipp ist: Schau dir mal konkret Stellenanzeigen an und vergleiche.

Wichtig ist, es ist dein Leben und du hast nur das Eine! Wenn du so, wie es jetzt läuft, nicht mehr kannst, dann bitte bitte ändere etwas! Je früher, desto besser!

Ich wünsche dir viel Kraft dabei!

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